Varianten[1] der Semantisierung im Anfangsunterricht Spanisch des 11. Jahrgang
Einleitende
Bemerkungen
Die
Semantisierung ist notwendiger Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts, denn
die Lernenden müssen sich Bedeutungen erschließen, um im neuen Medium agieren
zu können. Die Verfahren, die dazu führen, werden unterschiedlich beurteilt. So
verstehen die Vertreter des Konstruktivismus Lernen als autonomen Prozess, der
weitgehend von den Lernenden selbst gesteuert wird und der beim Individuum unterschiedliche
Ergebnisse zeitigt. Die Eigenverantwortung der Lernenden für den eigenen
Lernprozess wird unterstrichen.
Im eher
herkömmlichen Unterricht wird durch geeignete Verfahren versucht, sowohl
selbständiges Lernen zu initiieren und zu fördern als auch die Kompetenz der
Lehrkraft zur Vermittlung von Lerninhalten zu nutzen. Vor diesem Hintergrund
sind die Varianten der Semantisierung zu sehen. Stoff, Lernintention, Lerntyp
oder vorhandenes Material können die Wahl einer bestimmten Variante nahe legen.
Die Visualisierung[2]
ist als Lernunterstützung beliebt und sinnvoll, da die meisten Menschen über
das gleichzeitige Hören und Sehen besonders gut Bedeutungen erschließen und
speichern können. Zum Einsatz kommen Fotos, Bilder, Grafiken, strukturierte
Tafelbilder, Landkarten, Diagramme u.A.. Die Kopplung von visuell Dargebotenem
(auch Bildfolgen mit Handlungsabläufen) mit einem vorgetragenen Text eignet
sich für Eidetiker (Variante a).
Andere Schülerinnen und Schüler lernen besonders gut, wenn sie
einen Text selbst gelesen und sich den fremden Wortschatz erarbeitet haben
(Variante d).
Sind Hörstrategien zu entwickeln, sollte die Variante e) gewählt
werden.
Es gibt Stoffe, zwingend bestimmte Materialien verlangen: Zu einem Text
zur Geographie gehört die Landkarte; zu einem Lied der Kassettenrekorder oder
die eigene Gitarre.
Der Lehrplan
Spanisch NRW legt als Prinzipien die Orientierung am authentischen Text und die
Anlage von thematisch zusammenhängenden Teilsequenzen auch für den
Anfangsunterricht fest. Trotzdem werden in Jahrgang 11 häufig noch fabrizierte und
gehaltlose Lehrbuchtexte eingesetzt. Diese müssen wenigstens durch zielgruppengemäßes,
oberstufengerechtes und authentisches und Material relativiert und flankiert werden.
Beispiele: Ein Lehrbuchtext handelt davon, dass die zum
Lehrbuchpersonal gehörende Barbara ihr Zimmer aufräumt. Die Lehrbuchverfasser wählen
damit weder ein inhaltlich relevantes Thema noch eines, das zu mitteilungsbezogener
Kommunikation einlädt. Die Banalität
des Textes wird etwas abgemildert, wenn im Sinne des interkulturellen Lernens ein
spanischer Möbelprospekt oder eine Zeitschrift wie Hogar oder eine Werbeseite aus dem Internet eingesetzt
werden, über die Schülerinnen und Schüler Einblick bekommen in die andere
Wohnkultur.
Das Lehrbuchpersonal mit seinen flachen Erlebnissen bietet keine
Identifikationsmöglichkeiten für junge Erwachsene. Vor diesem Hintergrund ist eine Stundeneröffnung vom Typ Hoy
celebramos el cumpleaños de Bárbara. Hoy vamos a visitar a
Bárbara en su cuarto nicht zielgruppengemäß. Hier wäre eine Einbettung unter dem
Gesichtspunkt der Gestaltung von
Festen möglich oder die Variante e) mit Fokussierung auf Hörverstehen, da die
Kassetten zu den Lehrbüchern normalerweise von Muttersprachlern besprochen sind
und insofern zur Schulung des Hörverstehens herangezogen werden können.
Bei der Planung auf
den Ebenen von Stunde, Teilsequenz und Gesamtsequenz sind die Standards zu berücksichtigen,
wie sie im allgemeinen europäischen Referenzrahmen für das Lernen und Lehren
von Fremdsprachen festgelegt sind.
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Varianten der Erstbegegnung |
Inhalte
und Aktivitäten |
Prinzipien der Strukturierung der Phase und weitere
Hinweise |
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a)[3] Verstehen durch Hören und Sehen |
Varianten der
mündlichen und mediengestützten Darbietung (L[4]) 4
Ergänzen und Vervollständigen des asociograma
aus der Einstiegsphase 4
paraphrasierende und / oder erklärende Wiedergabe
des Textes 4
Erstellung eines Bedeutungs- und Sinnzusammenhangs 4
Darbietung von Hauptinformationen / Filtertext / Vortext
/ Kurzform / Erzählkern 4
Einsetzen authentischer Bilder (auch auf Folie) als
professionelle Semantisierungshilfen, nicht selbst malen, Internet nutzen,
entsprechende software und die modernen Kopiermöglichkeiten 4
sukzessives Aufdecken des Inhaltsgerüstes als Diagramm
(später – etwa bei resumen – wieder benutzen) |
4
Neue Informationen in bekannte einbetten;
Schwieriges und Wichtiges in Initialstellung, weil lernpsychologisch günstig 4
Medien funktionalisieren: Bild / Diagramm und Wort
deutlich und wiederholt koppeln; 4
Zusammenhänge durch Visualisierung (wiederholtes Zeigen)
verdeutlichen 4
Selbstverständliches (sofá) nicht aufwändig
semantisieren, sondern Besonderheiten beachten, etwa Aussprachedifferenz zum
Deutschen: sofá versus Sofa 4
Sinn- oder Bedeutungszusammenhang nicht verlassen 4
Anzahl der neuen Lexeme begrenzen; noch etwas übrig
lassen für den Originaltext 4
neue Vokabeln häufig wiederholen ggf. rhythmisieren
4
Kombination unterschiedlicher Darbietungsmodi
wählen: mehrere Sinnesorgane ansprechen 4
lebendig, laut und deutlich vortragen mit Blickkontakt
zum Kurs Zum Tafelanschrieb (gilt
für alle Varianten) 4
TA nicht simultan mit Einführung erstellen 4
farbiger und strukturierter TA etwa nach der
Markierung von Zwischenergebnissen sinnvoll 4
TA als optischer Anker günstig wegen der für
spätere Erinnerung notwendigen mnemotechnischen Assoziationen. 4
TA immer funktionalisieren z.B. für Phase des
selbständigen Umgangs mit dem Neuen |
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b) Verstehen durch Hören und Lesen |
Leseverstehen mit akustischer Unterstützung (L + KM) 1. der
Originaltext wird gleichzeitig gelesen und über den Tonträger gehört Erklärungen, Paraphrasierung,
Erläuterungen (keine Übersetzungen)
|
4
Es ist darauf zu achten, dass
während des Vortrags keine Vokabeln nachgeschlagen werden, denn KM sollen
auch Lesestrategien entwickeln. 4
Die Lektüre bei
gleichzeitigem Hören des Textes ist keine Hörverstehensübung im engen Sinn. 4
gleiches Arbeitstempo für
alle |
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c) Verstehen durch erläuterndes Vorlesen |
Erklärende und paraphrasierende Einführung bei geöffnetem Text (L) 1. gestisch-mimisch
unterstützte laute Lektüre des Textes in Teilen 2. Kommentierung
und Erklärung von Bildern und Fotos im Lehrbuch / auf dem Textblatt 3. wiederholte
laute, sinntragende Lektüre des Textes |
4
darauf zu achten, dass KM während der Lektüre bzw.
des Vortrags nicht im Vokabelverzeichnis nachschlagen. 4
gleiches Arbeitstempo für
alle Variante c) ist häufig, aber nicht
empfehlenswert, weil wenig nachhaltig. Bei langen Texten, z.B. fabrizierten
Lektionstexten, kann diese Methode gekoppelt werden mit Variante a), d.h.
eine Sinneinheit (etwa
Einleitungsteil einer Lektion) wird semantisiert nach a) und der 2. Teil der
Lektion / des Textes (ggf. in Folgestunde) nach c). |
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d) Verstehen durch stilles Lesen |
Offen-Text- Methode (KM) a) Einzelarbeit: erster Schritt Strategien der
Textentschlüsselung anwenden 4
Weltwissen nutzen (auch Gliederungsmerkmale,
Zahlen, Zeichen) 4
Internationalismen erkennen 4
Kontexthilfen finden, Sinninseln erkennen 4
„intelligentes Raten“ praktizieren 4
mit Wörterbuch und sonstigen Hilfsmitteln umgehen b) Einzelarbeit: zweiter Schritt 4
KM liest mehrere Male murmelnd den Text 4
KM erstellt einen clúster o.ä. zum Text 4
KM liest den Text und merkt sich bewusst Vokabeln,
Sätze, Teilsätze c) Partnerarbeit 4
KM klären miteinander kurz verbliebene
Probleme 4
KM erzählen sich den Text 4
KM erstellen einen Fragenkatalog zu dem Text 4
KM 1 liest KM 2 Text vor und umgekehrt 4
KM fragen sich gegenseitig nach dem neuen Wortschatz 4
KM 1 gibt Stichwort, KM 2 ergänzt |
Bei dieser Variante steht die Rezeptionsleistung, also die
Entwicklung von Sprachbewusstheit und Lesekompetenz im Mittelpunkt; es wird selbständiges und analytisches
Arbeiten der KM vorausgesetzt. Die Methode
dient der Schulung allgemeiner und
fachspezifischer Methoden. Die links
skizzierte Abfolge der Binnenphasen bei der Offen-Text-Methode ist nicht
zwingend. Zu bedenken ist, dass die Produktionsleistung nicht gleich
hoch ist wie die Rezeptionsleistung. Der Behaltenseffekt der spanischen
Wörter und Begriffe ist gering wegen der einkanaligen Einführung und wegen
der fehlenden häufigen und lauten Wiederholung. Aussprache, Satzmelodie,
Flüssigkeit der Äußerungen werden bei dieser Methode nicht primär geschult.
Deshalb sind in einem zweiten Schritt Sozialformen und Verfahren einzuplanen,
durch die die freie mündliche Produktion gefördert wird. L.
beobachtet die Gruppe, reagiert auf Fragen, notiert sich
Schwierigkeiten. |
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e) Verstehen durch Hören |
Darbietung
des Textes als Hörtext über Tonträger mit hispanohablantes Alternative 1: ohne Vorentlastung oder schriftliche Hilfen 4
ggf. Höraufträge geben (Fíjense
en los nombres de las ciudades / en las cifras / en los distintos personajes)
4
mit oder ohne Mitschrift (Pueden tomar apuntes) 4
zwei- ggf. mehrmaliges Hören 4
unkommentiertes Sammeln von Fragmenten an der
Tafel 4
wiederholtes Hören von Textteilen mit
sukzessivem Erschließen von
Zusammenhängen und Ergänzung / Modifizierung des TA 4 abschließendendes
zusammenhängendes Hören zur vollständigen Textrekonstruktion Alternative 2: Vorentlastung
mit oder ohne schriftliche Hilfe
4 Semantisierung (vgl. Variante a), beschränkt auf Zentrales
und schwer Verständliches 4 Symbole 4 unkommentiertes Sammeln von Fragmenten (TA) 4 Austeilen eines Lückentextes, einer Gliederung,
des ersten und letzten Wortes von Sätzen u.ä. |
Der Entwicklung des ausschließlich durch den akustischen
Kanal vermittelten Verstehens kommt eine zentrale Bedeutung zu. Deshalb ist
das ungesteuerte Hören die beste Übung für spätere reale Hörsituationen. Gleichwohl ist das Hörverstehen eine Fertigkeit, die geschult
werden muss, weshalb didaktische Eingriffe notwendig sein können. 4
Es können Hilfestellungen gegeben werden, die aber
sukzessiv abgebaut werden müssen, denn sie stellen jeweils wegen der
inhaltlichen Vorgaben eine Einschränkung des HV dar. o
Fragen, o
Lückentexte, o
Semantisierungshilfen (Gesten, Mimik, deiktische
Verfahren) o
anotaciones 4
Höraufträge immer vor der Präsentation
erteilen, da die Lehrerfrage nach der Präsentation die wörtliche Erinnerung
überlagert. Zu den unterschiedlichen Kompetenzstufen bei der
Entwicklung des Hörverstehens vgl. Lehrplan Spanisch S. 126: Allgemeiner
Europäischer Referenzrahmen für das Lernen und Lehren von Sprachen. |
© Hella
Klink - http://www.spanischdidaktik-klink.de
[1]Die Semantisierungsphase
gehört ins Methodenrepertoire des Anfangsunterrichts. In
fortgeschrittenen Lerngruppen werden gezielte actividades prelectivas,
vorbereitende Hausaufgaben und andere Verfahren verwendet.
Die Folgephasen für die
entsprechende Variante sind jeweils abzugleichen und entsprechend
zuzuschneiden.
[2] Die Visualisierung sollte nicht über schlichte, selbst gemalte Folienbildchen erfolgen, sondern mit der in jeder Schule vorhandenen software zur professionellen Bearbeitung von Bildern und Fotos oder mit Hilfe von authentischen Materialien unter Nutzung des Internets. Die Quelle ist immer zu nennen!
[3] Die Variante a) befindet sich auch in der Synopse
zur Texteinführung im Jahrgang 11
[4] L=Lehrkraft; KM = Kursmitglied; TA = Tafelanschrieb