Hausaufgaben

 

Die Hausaufgabe[1] ist Bestandteil des unterrichtlichen Gesamtgeschehens und leistet ihren Beitrag zum Erreichungen der allgemeinen Ziele der Gymnasialen Oberstufe und des Spanischunterrichts im Besonderen.

 

Schülerinnen und Schüler

î         arbeiten selbständig und ausdauernd an einer begrenzten Aufgabe 

î         wenden individuelle Arbeitstechniken und erlernte Methoden an

î         wiederholen, üben und festigen den Stoff

î         bearbeiten autonom ein neues Gebiet

î         verschaffen sich einen Überblick darüber, was sie schon können und woran sie noch arbeiten müssen.

î         überlegen sich geeignete Methoden, ihre Wissenslücken zu schließen, und wenden sie an

 

Die Lehrkraft erfährt etwas über

î         die Effektivität ihrer Lehrleistung 

î         die Stimmigkeit ihrer Aufgabenstellung

î         den Grad der Beherrschung des Stoffes im Gesamtkurs  

î         die Stärken und Schwächen des einzelnen Kursmitglieds  .

 

Zu jeder Stunde wird eine vorbereitende oder / und nachbereitende Hausaufgabe gestellt, in der etwas Neues geschaffen wird. Sie ist keine Wiederholung des Inhalts der Stunde oder einzelner Phasen. Normalerweise machen alle Kursmitglieder dieselbe Hausarbeit. Bisweilen kann sie ähn­lich wie die Gruppenarbeit arbeitsteilig sein. Die Teilergebnisse bilden in der Folgestunde in der Zusammenschau die Basis für das Unterrichtsgeschehen.  Damit eine Hausaufgabe am Stundenende nicht wie eine Verlegenheitslösung aussieht, ist gut vorüberlegen, wie sie gestellt wird. Für den Fall, dass die Stunde wider Erwarten anders verläuft als geplant, ist  eine alternativ Aufgabe zu stellen.

 

Hausaufgaben müssen immer überprüft werden. Die Namen der Kursmitglieder ohne Hausarbeit werden aufgeschrieben. In der kommenden Stunde wird kontrolliert, ob die Aufgabe nachgemacht wurde. Die Haushefte sollten in regelmäßi­gen Abständen eingesammelt werden. Die Hausaufgabe ist Teil der sonstigen Mitarbeit.   

 

Folgende Hausaufgaben sind wenig originell, laden kaum ein, sie gerne zu erledigen, und zeugen von wenig Phantasie und Vorüberlegung:

Für die nächste Stunde lernen Sie die neuen Vokabeln! Wir schreiben einen Vokabeltest.

Vokabeln lernen.

Für die nächste Stunde wiederholen Sie das, was wir heute gemacht haben!

Für die nächste Stunde üben Sie mal.

Für die nächste Stunde machen Sie eine schriftliche Zusammenfassung der Lektion.

Für die nächste Stunde haben Sie nichts auf.

Für die nächste Stunde lesen Sie den Text auf Seite x

Für die nächste Stunde machen lernen Sie die neue Grammatik

Für die nächste Stunde schreiben Sie einen Dialog

Für die nächste Stunde Seite 24 Nr. 3a

 

Es ist unstrittig, dass Vokabeln gelernt, Texte geschrieben, Übungen gemacht werden müssen, aber man muss sich vor Schematismus hüten. Ähnlich abwechslungsreich und motivierend wie der Unterricht muss auch bei Hausarbeit dafür gesorgt werden, dass Interesse und Motivation erzeugt werden. Deshalb kann die Hausarbeit mit der Formulierung des genauen Arbeitsauftrags nicht der Inspiration des Augenblicks vor dem Schellen überlassen werden. 

 

„Schreiben ist außerhalb des Bildungswesens die seltenste der vier Sprachfertigkeiten“[2]. Da sie aber ebenfalls die während der Unterrichtstunde am wenigstens geübte Fertigkeit ist, sollte in der Hausaufgabe auf die Schulung des Schreibens besonderer Wert gelegt werden. Zu unterscheiden ist zwischen den genuin schriftlichen Formen (wie Zusammenfassung, Analyse, Bericht, Erzäh­lung, Brief u.a.) und solchen, bei denen die Schriftlichkeit dienende Funktion hat, denn auch bei Hausaufgaben, die eigentlich mündlich sind, sollte auf die Schriftlichkeit nicht verzichtet werden (u.a. bringt die Schriftlichkeit es oftmals mit sich, dass die HA überhaupt gemacht wird!).

 

î         schriftliche HA als Vortexte (auch mit grafischer Unterstützung) für mündliche Sprachausübung anlegen 

î         schriftliche Textformate (etwa Nacherzählungen, Inhaltsangeben) in der Stunde mündlich vortragen.  Neben dem Effekt, dass das freie Sprechen gefördert  wird, gibt es den weiteren, dass die zu Hause im Wörterbuch gefundenen Wörter nicht verwendet werden, sondern das KM sich auf Bekanntes beschränkt, langsam vorträgt, sich von anderen ggf. helfen lässt, wodurch bewirkt wird, dass alle zuhören. 

î         sinnvolle, interessante, phantasievolle, kommunikativ relevante Zieltexte erstellen lassen

î         Texte produktionsorientiert (auch aus dem Lehrbuch) weiterentwickeln oder umschreiben

î         Per­spektiv-, Textsortenwechsel vollziehen (Zeitungsmeldung in kleine Erzählung; tabellarischen Lebenslauf in Bericht über Person)

î         bei herkömmlicher Lehrbucharbeit: einen Filter- oder Vortext für eine neue Lektion schreiben

î         neue Lexik bündeln, in Beziehung setzen zu schon erworbenem Wortschatz und auswendig lernen; Methoden der Vernetzung bewusst machen und erklären

î         ungewöhnliche und originelle Fragen an einen in der Stunde bearbeiteten Text (vor allem bei den häufig sehr banalen Lehrbuchtexten interessante Aufgabe!) stellen, die von den anderen KM beantwortet werden müssen

î         einen Text in ein Organigramm überführen und eine mündliche Präsentation vorbereiten

î         Karteikarten vorbereiten mit Aufgabenstellungen oder Fragen für die anderen KM

î         Tabuspiel / memory erstellen lassen (sollte zweckmäßigerweise am Stundenende eingesetzt werden)

î         aus einem Text einen Lückentext zur Wortschatzarbeit oder zur Grammatik machen, auf Folie schreiben und lösen lassen

î         auf Internetseite Informationen zu einem bestimmten Thema suchen und zusammen­stellen

î         Inhalt eines Hörtextes aus dem Internet von KM präsentieren lassen  

î         einen Lesetext geben und mit Lesestrategien bearbeiten lassen mit dem Ziel, diese bewusst zu machen und zu nennen

î         in der Stunde erstellte Texte zu Hause gezielt überarbeiten

î         Ergebnisse von arbeitsteiliger Gruppenarbeit, die in der Stunde bereits präsentiert wurden, bündeln und den eigenen Ergebnissen hinzufügen

î         Gedicht auswendig lernen oder gestaltendes Lesen vorbereiten. Der Text ist dabei mit Zeichen zu versehen (wo wird die Stimme erhoben, wo werden Wortgruppen zusammen gele­sen, welche Wörter beim Lesen besonders fehleranfällig sind etwa wegen Interferenzen zum Deutschen)

î         ein grammatisches Teilsystem selbständig erweitern und Prinzipien erläutern

î         ein leichteres grammatisches Phänomen selbständig erarbeiten und erklären.

î         Fotos / Bilder zu einem Thema suchen und erklären

î         Prospekte im spanischen Reisebüro anfordern

î         Materialien bei der argentinischen / mexikanischen etc. Botschaft bestellen

î         Interessantes auf der Homepage des Instituto Cervantes erläutern

î         etwas für die schulische Homepage zusammenstellen.

 

 

 

© Hella Klink  -  http://www.spanischdidaktik-klink.de

 



[1] abgekürzt als HA

[2] Wolfgang Börner. „Zum Erwerb von Textsortenkompetenz durch Schreiben“ In:  Jung (Hrsg.) Praktische Handreichungen für den Fremd­sprachenlehrer 1992. Frankfurt, Verlag Peter Lang GmbH (297)