Beispiel für eine
Textaufgabe (Aufgabentyp A 1) im Grundkurs Spanisch als neu einsetzende
Fremdsprache oder in Spanisch ab 9 (NRW)
Unterrichtszusammenhang: Novelística
actual española - vivir en la metrópoli - relaciones entre mujer y hombre
Textgrundlage: Manuel Vicent: Semáforo (386 palabras)
In: Uriz, Francisco J. (ed): Cosas que pasan (Relatos breves).
Colección LEER Madrid: Edelsa 1990
Manuel
Vicent
Esa chica de azul que espera ahí enfrente
en el semáforo, ¿quién será?, ¿de dónde vendrá?, ¿adónde irá con el bolso en
bandolera? Parece vulgar. No sé nada de ella, aunque en otras circunstancias
pudo haber sido quizá la mujer de mi vida. Por la calle, entre los dos, pasa un
furgón de la policía y el aire de la ciudad se rasga con sirenas de ambulancia.
La chica será secretaria, enfermera, ama de casa, camarera o profesora. En el
bolso llevará un lápiz de labios, un peine, pañuelos de papel, un bono de
autobús, polvos para la nariz y una agenda con el teléfono de unos primos del
pueblo, de algún amigo, de algún amante. ¿Cuántos amores frustrados habrá
tenido? Los anuncios de bebidas se licúan en la chapa de los automóviles. Hay
un rumor de motores. La alcantarilla huele a flores negras. La joven me ve
desde la otra acera y probablemente también estará pensando algo de mí. Creerá
que soy agente de seguros, un tipo calvo, muy maduro, con esposa y tantos hijos
o que tengo un negocio de peletería, un llavero en el bolsillo, un ignorado
carné de identidad, una úlcera de estómago y dos mil quinientas pesetas en la
cartera. Se oyen violentos chirridos de caucho, la tarde ya ha prendido las
cornisas. El semáforo aun está en rojo.
Si esa mujer y yo nos hubiéramos
conocido en cierta ocasión tal vez nos habríamos besado, amado, casado, odiado,
gritado, reconciliado e incluso separado. Lleva un abrigo azul. Parece un poco
frágil y vulgar. No sé nada de ella. Desde el otro bordillo la chica también me
observa. ¿Qué estará imaginando? Que soy un sujeto anodino, operado de
apendicitis, con muchas letras de cambio firmadas para comprar un vídeo. Sin
embargo, pude haber sido el hombre de su vida. Pude haberle llevado a la sierra
con una tortilla o a Benidorm con grandes toallas y un patito de goma. Finalmente
huye el ultimo coche y el semáforo se abre. Por el paso de peatones la chica
avanza hacia mí y yo voy hacia ella. Los dos, al cruzarnos, sorbemos
sesgadamente nuestro rostro anodino con una mirada y al llegar cada uno a la
acera contraria ya para siempre nos hemos olvidado. En la ciudad se oyen
sirenas de ambulancia.
anodino - harmlos, nichtssagend
cornisa – Sims
chapa - el coche, por fuera, está hecho de chapa
chirridos - ruido agudo
en bandolera - umgehängt
licuarse en -
aquí: desdibujarse
patito de goma - juguete con que juegan los
niños en el agua
peletería - tienda en la que se pueden comprar
abrigos de piel
prender – aquí: iluminar
rasgarse - aquí: se escucha
sesgadamente - zur Seite, schräg
1. Cuente lo que pasa mientras
el hombre está esperando.
2. Analice la perspectiva
desde la cual está escrito el relato.
3. "Esa
chica“ también está mirando al hombre que está enfrente de ella. Ve que
él la está observando.
Escriba desde su perspectiva [de ella] lo que se le está
pasando por la mente.
Es wird vorausgesetzt, dass sich der Prüfling im
Leseverstehen auf der Kompetenzstufe C1 und in der schriftliche
Textproduktion auf B2 befindet.
1. Die Prüflinge führen aus, dass der Ich-Erzähler an einer
verkehrsreichen und lauten Straße vor einer roten Ampel wartet und eine junge
Frau mit Umhängetasche auf der gegenüberliegenden Straßenseite betrachtet.
Während des Wartens gehen dem Mann Gedanken durch den Kopf: er spekuliert über
das Leben der Frau mit der Umhängetasche, ihren Beruf, ihr Privatleben; der
Mann sieht sich schließlich aus der Perspektive der Frau und verknüpft sein
Schicksal mit dem ihren, u.zw. unter der Fragestellung, was gewesen wäre, wenn
er mit ihr verheiratet wäre.
2. Die Prüflinge fest, dass die Erzählperspektive die des
Mannes ist. Erzählzeit und erzählte Zeit sind nahezu identisch. Das Geschehen
spielt sich ab in dem kurzen Zeitraum des Wartens vor einer roten Ampel. Die
Prüflinge unterscheiden ein äußeres und ein inneres Geschehen, deutlich
markiert als monólogo interior des vor der Ampel wartenden Mannes. Die
Prüflinge belegen ihre Beobachtung etwa folgendermaßen: fehlende
Redeeinleitungen, Gebrauch der ersten Person Singular und Plural, Pronomina der
ersten Person, Verwendung des Futurs.
Die Prüflinge nennen die Themen des monólogo interior
und unterscheiden zwischen dem, was der Mann sieht (eine junge Frau mit einer
Umhängetasche; die „chica“ beobachtet ihn wohl auch), und den Vorstellungen, die sich
assoziativ durch den vermeintlichen Tascheninhalt entwickeln.
Die Prüflinge finden heraus, dass der Mann im Verlauf des
inneren Monologs die Perspektive der Frau einnimmt und sich so selbst als einen
kahlköpfigen, magenkranken, älteren, verheirateten Mannes, Vater zweier Kinder
von Beruf vielleicht Kürschner
charakterisiert.
Der Ich-Erzähler verknüpft in seinen weiteren Gedankengängen
sein Leben mit dem der jungen Frau (Z. 16 ff). Die Prüflinge finden heraus,
dass Beschreibungen des äußeren Geschehens die innere Beschäftigung des Mannes
mit der Frau unterbrechen und dass in der Beschreibung des äußeren Geschehens
keine sprachlichen Signale auf den inneren Monologs hindeuten: Gleichwohl
werden verschiedene Sinneswahrnehmungen mit dem Ich-Erzähler verbunden: Er
erlebt den Nachmittag in der Großstadt über die Sinnesorgane: Farben und
gleißendes Licht; Motorenlärm, quietschende Reifen, Sirenen von Krankenwagen;
Geruch nach Abwasser.
Es wird für die Analyse erwartet, dass die Prüflinge ihre
Beobachtungen am Text belegen und Zitate organisch integrieren. Sie gebrauchen korrekte Fachbegriffe der
Textanalyse: etwa monólogo interior, fluir de la conciencia, acción
exterior, narrador personal, perspectiva narrativa, espacio
de tiempo. Der Aufbauwortschatz zu „sentimientos humanos“
ist ebenso bekannt wie der zum Komplex
“Großstadt: Geräusche, Farben, Gerüche“. Formulierungen wie lo cual quiere decir que, el uso del
pronombre personal de la primera persona revela que u.a. werden flexibel verwendet.
3. Die Aufgabenstellung gibt vor, dass die Frau den Mann
beobachtet und selbst merkt, dass sie beobachtet wird. In Form eines monólogo
interior greifen die Prüflinge die Beschreibung auf, die der Ich-Erzähler
von sich selbst gibt (Z. 11 ff). Die Frau kommentiert das Äußere (ese tipo
calvo, ¿qué se creerá? Guapo no
es, desde luego ...) Sie fühlt
sich belästigt / geschmeichelt / verärgert / gleichgültig. Die Prüflinge
spekulieren darüber, was der Frau durch den Kopf geht und verwenden dabei die
der Situation angemessenen sprachlichen Mittel des inneren Monologs, die
sprachlich, aber nicht inhaltlich identisch sein können mit den Vorgaben des
Textes (¿qué creerá de mí? ¿por qué
me está mirando? ¿se imaginará que
estoy casada? /) Die
Prüflinge wenden den subjuntivo nach den entsprechenden Auslösern an:
etwa: no me gusta nada que me esté observando; no quiero que me siga mirando.
Es ist durchaus möglich, dass die Prüflinge die Blicke und die
Gedanken der Frau sich von dem sie beobachtenden Mann abwenden lassen, was aber
durch entsprechende Kontextuierung deutlich werden muss. Der Text kann
elliptisch sein.
Der Umfang der gestaltenden Textproduktion darf die 400
Wörter des Ausgangstextes nicht überschreiten, da der zeitliche Rahmen
vorgegeben ist durch die Rotphase der Ampel.
Die Prüflinge haben die oben genannten Elemente des Textes weitgehend verstanden (actividad
1).
In der Analyse (actividad 2) müssen die Prüflinge den
Text als inneren Monolog identifizieren und mindestens zwei Belege dafür geben
(z.B. Gebrauch der 1. Ps. Singular, finite Verbformen und Personal- bzw.
Possessivpronomina, keine die wörtliche Rede einleitenden Elemente). Sie
unterscheiden zwischen der acción
interior und exterior und sollten zumindest die „sirenas de
ambulancia“, die zweimal erwähnt werden, als ein Charakteristikum, das sich
auf die Sinneswahrnehmung des Hörens bezieht, herausarbeiten. Die Prüflinge müssen
nicht erkennen, dass der inneren Monolog unterbrochen wird. Bei der Bündelung
der Gedanken des Mannes sollten die
Selbstcharakterisierung und die Phantasien um ein mögliches
Zusammenleben mit der Frau herausgefunden und belegt werden.
Die Syntax ist eher schlicht, aber mit sichtbarem Bemühen um
eine ansatzweise Strukturierung über geeignete enlaces, Vielfalt wird
nicht erwartet. Zitate müssen in den laufenden Schülertext integriert werden,
aber sprachliche Flexibilität wird nicht verlangt.
Für die gestaltende Textproduktion (actividad 3) wird
erwartet, dass die Prüflinge die Form des inneren Monologs beachten mit
Verwendung der ersten Person sowie Frage- und Ausrufesätze, um Vermutungen über
den Mann anzustellen. Dabei übernehmen die Prüflinge die Chronologie des Basistextes und beziehen sich auf zentrale
Textelemente (z.B. die Selbstcharakterisierung des Mannes). Der Mann muss
korrekt beschrieben werden, ohne dass zwingend alle Charakteristika übernommen
werden. Herauskommen muss, dass es sich um einen wenig auffälligen, älteren
Durchschnittsmann handelt.
Einschübe zum äußeren Geschehen werden nicht verlangt ebenso
wenig irreale Bedingungssätze. Umschreibungen
zur Vermeidung des subjuntivo (me mira todo el tiempo. Pues no me
gusta) werden toleriert. Zwar ist der Umfang von etwa 400 Wörtern eigentlich
nicht zu überschreiten; gleichwohl ist für eine ausreichende Leistung
tolerabel, wenn der Text etwa 500 Wörter lang ist.
Es wird erwartet, dass die Prüflinge den Inhalt nach Ort,
Zeit und Handlung strukturieren, innere und äußere Handlung unterscheiden und
beiden Ebenen die zugehörigen Inhaltselemente zuweisen.
Die Prüflinge führen aus, dass Erzählzeit und erzählte Zeit
identisch sind und nennen als Grund den vorgegebenen Zeitrahmen des Wartens vor
der roten Ampel. Die personale Erzählhaltung wird in ihren beiden Ausprägungen,
dem inneren Monolog und der Schilderung der unterschiedlichen Sinnerwahrnehmungen
im Bewusstseinsstrom analysiert. Es wird in diesem Zusammenhang erwartet, dass
die Prüflinge die Pronominalstruktur und den Tempusgebrauch (Wechsel vom
Präsens und Futur mit modaler Funktion sowie irreale Bedingungssätze)
untersuchen. Weiterhin sollen sie herausfinden, dass der Mann fast von Beginn
seiner Beobachtung (Z. 3) an die Frau mit seinem Leben verbindet. Die
Selbstcharakterisierung des Mannes soll als solche benannt und in Verbindung gesetzt
werden zu seinen Äußerungen, die seine explizite Selbsteinschätzung bestätigen:
ein Durchschnittmensch, dessen vorübergehendes Interesse geweckt wird durch
eine junge Frau mit Umhängehandtasche, die in seiner Phantasie auch ein
durchschnittliches Leben führt. Im inneren Monolog reihen sich Alltagsthemen
assoziativ aneinander.
Für die gestaltende Textproduktion wird erwartet, dass
ebenso wie im Ausgangstext ein inneres und ein äußeres Geschehen ablaufen. Die
Vorgabe der Aufgabenstellung, dass die junge Frau merkt, dass er sie
beobachtet, wird durchgängig beachtet: Sie reagiert mit Meinungsäußerungen: (¿qué querrá? ¿por qué me está mirando? ¿es posible que
quiera ligar?).
Die Prüflinge müssen im eigenen Text die Charakteristika des
Mannes nennen und sich dazu – auch elliptisch: ¡calvo!– äußern. Sie
greifen die Vermutungen des Mannes auf und setzen ihm eventuell etwas Konträres
entgegen (creerá que soy secretaria; seguro que se extrañaría si supiera que
soy ingeniera.)
Das äußere Geschehen kann dem des Ausgangstextes ähneln,
andere Elemente sind möglich. (¡Cuántos
coches! La gente tiene ganas de llegar a casa / de tomar algo).
Die Prüflinge verwenden bei der Analyse die der Textsorte
angemessene distanzierte Schreibweise unter Verwendung korrekter
fachsprachlicher Termini (s.o.). Der Text der Prüflinge ist logisch aufgebaut,
was sich in der korrekten Verwendung von textgliedernden enlaces zeigt
sowie in Absätzen.
Die Prüflinge belegen ihre Beobachtungen am Text und
zitieren korrekt mit Anführungszeichen, Kennzeichnen von Kürzungen, ohne
Änderungen. Sie integrieren Zitate sprachlich flexibel in den laufenden Text.
Sie vermeiden den häufigen Gebrauch von ser, hay und estar
und verwenden einen differenzierten Wortschatz (s.o.).
Die Textproduktion verlangt umgangssprachliche Wendungen,
Ausrufe, Fragen, Aufzählungen, da sie durch assoziatives und nicht logisches
Aufeinanderfolgen von Gedanken gekennzeichnet ist. Es wird erwartet, dass die
Prüflingen über ein vielfältiges Vokabular zur Beschreibung von Menschen
verfügen sowie über einen Aufbauwortschatz zu großstädtischem Leben. Es werden
Gefühlsäußerungen (Gefallen, Missfallen, Einschätzungen) artikuliert und
entsprechend der subjuntivo angewendet. Nicht verlangt wird für die Note
gut der irrealer Bedingungssatz, auch wenn die Aufgabenstellung und der
Ausgangstext ihn nahe legen.
Ein Kriterium für eine gute Leistung ist auch, dass die
gestaltende Textproduktion die 400 Wörter des Ausgangstextes nicht
überschreitet, da sonst der Zeitraum, in dem der innere Monolog abläuft, nicht beachtet wird. Die Prüflinge müssen
mithin ihren Schreibfluss kontrollieren und den Willen zur Form erkennen
lassen.
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